„Wahrheit in der Inszenierung“
Zwei neue Ausstellungen in der Galerie C/O Berlin zeigen Frauen-Bilder, die ihre wahre Aussage erst auf den zweiten Blick preisgeben. Nachwuchstalent Ivonne Thein schockiert mit einer Serie über das krankhafte Streben nach extremer Schlankheit, Starfotografin Bettina Rheims inszeniert glamourös-obszön.
„Nackte Frauen als Lustobjekt mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Die Aufnahmen sind gewagt, jedoch nicht lüstern oder vulgär“, beschreibt die Galerie C/O Berlin die Ausstellung „Can You Find Happiness?“ der Französin Bettina Rheims. „Sie konstruiert ihre Bilder, indem sie die Stereotypen aus Malerei, Kino und Werbung orchestriert und pervertiert.“ Letztendlich gehe es in ihren Fotografien um „Wahrheit, die in der Inszenierung liegt“.
Das Thema des weiblichen Körpers in erotischen und voyeuristischen Situationen zieht sich durch das gesamte Werk von Rheims. Nachdem sie in jungen Jahren als Mannequin gearbeitet hatte, waren Pariser Stripperinnen ihre ersten Fotomodelle. Die aktuelle Ausstellung besteht aus 95 Bildern und acht Serien – drei davon werden weltweit zum ersten Mal gezeigt. (Nachtrag: Die Fotos von Bettina Rheims mussten nach Ende der Ausstellung aus der Klickstrecke oben entfernt werden – so die Auflage der Fotografin.)
„Ich wollte ein Gefühl des Abgestoßen-Seins hervorrufen“
Ganz anders Ivonne Thein: In der Ausstellungsreihe „Talents“ thematisiert die Nachwuchsfotografin mit ihrer Serie „Zweiunddreißig Kilo“ das krankhafte Streben junger Mädchen und Frauen nach extremer Schlankheit. „Hintergrund ist das stark verbreitete Phänomen der Internetbewegung Pro Ana, die Magersucht (Anorexia nervosa) zu einer neuen, positiven Lebenseinstellung für junge Mädchen erhebt“, schreibt C/O Berlin.
Die Frauenkörper auf Theins Bildern wirken unnatürlich lang und dünn – und oft erschreckend zerbrechlich. „Ich wollte ein Gefühl des Abgestoßen-Seins beim Betrachter hervorrufen“, sagt Thein. Gerade wer die Aufnahmen auf den ersten Blick für gewöhnliche Modefotos halte, solle zum Weiterdenken angeregt werden.
Dabei leiden ihre Modelle in Wirklichkeit nicht unter Essstörungen, sondern die Bilder sind digital nachbearbeitet. „Im Verlauf der Arbeit wurde mir klar, dass ich mich gerade durch die digitale Bearbeitung wieder der Mittel der Modefotografie bediene“, erklärt die Dortmunder Fotografin. So hinterfragt sie mit ihren Bildern auch die Rolle der Fotografie.
„Denn bei Pro Ana ist dieses Medium einerseits ein beweisendes Dokument, andererseits ein bewusst inszeniertes Image“, so die Galerie. „Die Fotografie nimmt eine Schlüsselrolle ein, die die extremen Körperbilder und Weiblichkeitsideale erst konstituiert.“
„Zweiunddreißig Kilo“ und „Can You Find Happiness?“ sind noch bis zum 11. Mai zu sehen
C/O Berlin
Postfuhramt
Oranienburger Straße/Tucholskystraße
10017 Berlin
Eintritt 7 Euro/ermäßigt 5 Euro
täglich von 11 bis 20 Uhr
Im Tagesspiegel gibt es einen schönen Artikel über „Zweiunddreißig Kilo“, bei jetzt.de ein Interview mit Ivonne Thein.

irgendwie sahen mir die bilder von ivonne thein sofort nach photoshop aus. aber ich find sie haben trotzdem eine heftige wirkung…wahrscheinlich weil man viele “echte” bilder kennt. neue, positive lebenseinstellung…das internet sollte verboten werden. (aber ich sollte nicht so oft drüber schimpfen, schließlich gibt es ja auch tolle seiten
) sicher eine lohnenswerte ausstellung.
Werde mir die Ausstellungen anschauen, wenn ich schon da bin. Danke für die Anregung. Tolle Seite, mein Herr!