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Sommerfotos: Eine Erdbeere als Nachschlag

© Paul Hiller

 
Als wir am Freitag Fotografen gebeten haben, das Sommerwochenende in Bildern festzuhalten, haben wir eines vergessen: Freunde des analogen (Mittelformat)Films sind natürlich nicht so schnell. “Das ist ja eigentlich eine ganz gute Idee und ich würde da auch gerne mitmachen”, schrieb uns Paul Hiller. “Aber soll ich jetzt extra für so eine Aktion olle Digipix machen?” Nein, sollte er natürlich nicht. Und so landete seine Erdbeere erst am Dienstagnachmittag bei uns – und bekommt jetzt einen Ehren-Einzelplatz.

Fotostrecke: So beginnt der Sommer

Sommer

© Niehoff, Djuric, Nowack, Reißmann

→ Fotostrecke: 5 Bilder

Nach wochenlangem Regenwetter hält endlich der Sommer in Deutschland Einzug. Darum haben wir einige Hobby- und Profifotografen gebeten, das sonnige Wochenende in einem Foto festzuhalten. Das Ergebnis: ein Himmel voller Dreadlocks, ein klassisch-kitschiger Sonnenuntergang und ein Feuerwehrmann im SMS-Einsatz. Alle Bilder zum Durchklicken gibt’s oben in der Fotostrecke.

Paul Hiller: Coney Island im Regen

Paul Hiller

© Paul Hiller

→ Fotostrecke: 7 Bilder

“Nachdem ich 2007 den Santa Cruz Beach Boardwalk fotografiert hatte, bin ich im Januar 2010 nach New York gereist, um mir dort ein eigenes Bild von Coney Island zu machen. Bis dahin kannte ich den Strandvergnügungspark von Bildern und aus Filmen nur als heilen Ort, an dem immer die Sonne scheint und alle Menschen glücklich sind. Die Realität dort sieht inzwischen aber anders aus: Es gibt bereits Gerüchte, dass der Park zugunsten eines Neubaus abgerissen werden soll. Die Reste von Coney Island wirkten auf mich wie ein Potemkinsches Dorf, hinter dessen glitzernder Gute-Laune-Fassade nur noch wenig übrig ist vom alten Mythos. Untergangsstimmung im Vergnügungspark – das fasziniert mich und ist mir eine Reise wert. Auch an einem Regentag.”

Paul Hiller, Jahrgang 1984, studiert Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seine Bilder macht er mit einer Hasselblad 500 C/M. Mehr von ihm auf paulmunich.de.

Julius Schrank: Vom Bäumefällen

Julius Schrank

© Julius Schrank

→ Fotostrecke: 21 Bilder

“An der Westküste Kanadas im Clayoquot Sound auf Vancouver Island liegt einer der ältesten und unberührtesten Regenwälder der Welt. Durch das feuchte Klima ist er über mehrere Jahrtausende von Waldbränden verschont geblieben und beherbergt deshalb gigantische Zedern, die bis zu 2000 Jahre alt sind. Nur sechs Prozent dieses intakten Waldes sind nachhaltig geschützt. Drei Viertel der Bäume, des sogenannten Oldgrowth, wurde dagegen bereits gerodet. Trotz sinkender Holzpreise, strenger Auflagen und teuren Rodungslizenzen bleibt das Geschäft mit dem alten Holz lukrativ. Somit müssen Bewohner, lokale Indianerstämme und Touristen weiterhin um die Erhaltung dieser einzigartigen Natur bangen.”

Julius Schrank, Jahrgang 1984, ist Mitglied von Kollektiv 25 und interessiert sich in erster Linie für Fotoreportagen, häufig mit Bezug zu Natur und Umwelt. Mit der hier gezeigten Geschichte “Vom Bäumefällen” hat er den Canon-Profifoto-Förderpreis gewonnen.

Chloé McLennan: Nahbereich

Chloé McLennan

© Chloé McLennan

→ Fotostrecke: 10 Bilder

“Ich fotografiere seit einigen Jahren. Anfangs war es nur ein Hobby, mittlerweile halte ich so die Menschen fest, die ich mag. Als Teil meiner Technik mache ich Bilder aus sehr geringem Abstand. Ich liebe die kleinen Eigenarten von Menschen und wie diese sich ausdrücken. Ich finde es wundervoll, ihre Einzigartigkeit und Schönheit zeigen zu können.”

Chloé McLennan, geboren 1983, studiert Motion Design am Cornish College of Arts in Seattle. Einen Großteil ihres Lebens verbrachte sie auf Reisen. Daran möchte sie anknüpfen und sich die Freiheit erhalten, zu reisen und das zu tun, was ihr am meisten gefällt.

Marco Fieber: Treppenportraits

Marco Fieber

© Marco Fieber

→ Fotostrecke: 9 Bilder

“Die Portraitierten sind Redaktionsmitglieder des deutsch-russischsprachigen Jugendportals to4ka-treff. Die Fotos entstanden binnen zehn Minuten in einem Treppenaufgang während einer Kaffeepause – damit man einen Eindruck von den Menschen hinter den Artikeln bekommt. Der Rest der Gruppe stand um mich herum und alles musste sehr schnell gehen. Allerdings herrschte dadurch auch eine sehr entspannte Stimmung. Das Spontane, Einfache oder Improvisierte mag ich, so entstehen die meisten meiner Fotos. Meinen Fokus sehe ich in der Straßen- und Dokumentarfotografie.”

Marco Fieber, geboren 1985, studiert in Jena Politikwissenschaft und Kaukasiologie. Er arbeitet für Print- und Onlinemedien. Auf seiner Seite unblogbar.org gibt es unter anderem Fotos aus Tschornobyl und von russischen Zimmerpartys.

Lucas Wahl: Eine Familie in der Dunkelheit

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© Lucas Wahl

→ Fotostrecke: 10 Bilder

„Saltu und seine Frau Parameswory sind in ihrer Kindheit erblindet. Saltu verlor sein Augenlicht langsam durch eine Infektion. Paramesworys Mutter versuchte, ihrer Tochter eine Augeninfektion mit Hilfe eines Stücks Kürbisschale herauszukratzen, wodurch die Augäpfel platzten. Danach wurden die beiden Erblindeten von ihren Eltern verheiratet. Sie wohnen in einem Slum im Zentrum von Nepals Hauptstadt Kathmandu. Die Familie lebt vom Betteln, das meistens Parameswory übernimmt. Häufig nimmt sie ihre schwer unterernährte Tochter Majila mit, um mehr zu verdienen. Jedoch bleibt es meist bei weniger als einem Euro am Tag, von dem die ganze Familie überleben muss.“

Lucas Wahl, Jahrgang 1984, studiert Fotojournalismus an der FH Hannover. Ihn interessieren soziale Themen und kleine Alltagsgeschichten aus aller Welt, die er am liebsten mit der Panoramakamera festhält. Wahl ist Mitglied von Kollektiv 25.

Andy Spyra: Palästina im Panorama

Andy Spyra

© Andy Spyra

→ Fotostrecke: 9 Bilder

Fotograf Andy Spyra: „Obwohl ich zum ersten Mal in Palästina war, fühlte ich mich direkt mit der Situation vertraut: Soldaten, Waffen, Checkpoints, Attacken, Unterdrückung, Frust und eine unsichtbare, dünne Schicht aus Angst, die über dem Alltag der Menschen liegt. All das hat in mir das gleiche Gefühl der Hilflosigkeit verursacht wie in Kaschmir. Die Westbank ist emotional und visuell ein spannender Ort voller Energie und Vielfalt, an dem immer noch Geschichte geschrieben wird.“

Andy Spyra, Jahrgang 1984, arbeitet als freier Fotograf. Seine Kaschmir-Serie „Valley of Tears“ ist mehrfach ausgezeichnet worden. Flare hat von ihm bereits Tagebucheinträge aus Kaschmir sowie ein Interview mit ihm veröffentlicht. Weitere seiner Bilder sind auf andyspyra.com zu sehen.

Henning Kretschmer: Calavera Queens

© Henning Kretschmer

→ Fotostrecke: 5 Bilder

„Die Bilder sind in Deutschlands erstem Burlesque Club, dem Queen Calavera in Hamburg entstanden. Um das Publikum zu unterhalten, spielen die Burlesque-Tänzerinnen in ihren Shows immer wieder unterschiedliche Charaktere. Mich interessieren die Personen, die dahinter stecken.

Zuerst hatte ich für eine andere Serie nur ein Portrait gemacht. Das hat mir aber so gut gefallen, dass ich angefangen habe, weitere Tänzerinnen zu portraitieren. Mittlerweile begleite ich manche von ihnen auch außerhalb der Shows mit der Kamera. Die Serie ist noch in Arbeit und wird wohl Ende des Jahres fertig werden.“

Henning Kretschmer, Jahrgang 1985, studiert Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg. Mehr von ihm gibt’s hier.

Timo Nowack: Sechs Fäuste für Neukölln

Timo Nowack

© Timo Nowack

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“Ich fotografiere gerne raue Typen. Kirmesarbeiter, Fischer, Demonstranten, die von Polizisten zu Boden gedrückt werden. Am liebsten in schwarz-weiß. Im Herbst 2007 war ich in Berlin auf der Suche nach einem Reportagethema. Ich entschied mich, harte Typen in einem harten Stadtteil zu fotografieren: Boxer in Neukölln. Nach dem Training der Männer kamen drei junge Frauen in die Halle. Als ich sie im Ring sah, wusste ich, was mein wirkliches Thema ist.

In den folgenden drei Wochen begleitete ich Yana Kultysheva und die Schwestern Helena und Natali Kalinowski beim Training und bei den Deutschen Amateurmeisterschaften, die gerade stattfanden, ohne dass ich vorher davon gewusst hätte. Glück muss man eben haben. Alle drei Mädchen holten in ihrer Gewichtsklasse den Titel. Warum es in der ganzen Serie kein Foto von den Meisterboxerinnen in Siegerpose gibt? Weil ich am Finaltag zu einer Hochzeit musste, privat. Es kann ja nicht alles klappen.

Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Eigentlich bin ich Schreiber. Doch in diese Serie habe ich mehr Zeit und Arbeit investiert als in jede Textreportage. Und auch wenn Siegerfotos ebenso fehlen wie eine starke Detailaufnahme, mag ich die Strecke als Gesamtwerk mehr als fast alle meine Artikel. Besonderer Dank dafür geht an die drei Boxerinnen, ihren Trainer sowie die beiden Fotografen Sebastian Bolesch und Marc Steffen Unger.”

Timo Nowack, Jahrgang 1980, arbeitet als Textjournalist in Leipzig und ist Gründer und Betreiber von Flare. Seine eigenen Fotos mag er in schwarz-weiß am liebsten.