Laura Zalenga: “Ich könnte nie für jemand anderen so echt sein”

Laura steht im Finale des Photo Battle 2013 und ringt mit Fabian um den Sieg. Für dieses Interview haben wir sie per Telefon im Heimaturlaub gestört.

Flare: In der Final-Hinrunde hast du zum Thema “Zuhause” Kirmes-Wohnwagen fotografiert. Wie bist du darauf gekommen?
Laura: Ich bin gerade zuhause in Biberach und nicht in München, wo ich studiere. Und hier in der Nähe war ein Rummel. Als ich die Wohnwagen entdeckt habe, dachte ich daran, dass sie für diese Menschen das Zuhause sind. Das fand ich sehr spannend. Und es war toll zu sehen, dass die Leute wirklich provisorisch eine Waschmaschine da stehen haben vor ihren Wagen.

Hast du mit den Schaustellern geredet?
Nein, es war sehr früh morgens und ich habe gar niemanden getroffen. Außerdem ist alles mit Zäunen abgesperrt und man kommt nicht wirklich ran an sie. Ich hatte mir das leichter vorgestellt. Dass ich jemand ansprechen könnte. Daher war ich zuerst ziemlich enttäuscht. Aber mittlerweile bin ich einigermaßen zufrieden, obwohl ich das gar nicht erwartet hatte. Ich finde die Stille der Bilder sogar ganz schön.

War das Fotografieren dieses Mal anders als in den vorherigen Runden?
Auf jeden Fall. Als ich los bin, dachte ich: Oh, man, puh, wo sind die Leute? Ich hätte jetzt so gerne ein Mädchen mit einem schönen Kleid. Aber als ich dann wirklich dort herumgelaufen bin, hat es Spaß gemacht.

Ich hatte das Gefühl, dass deinen Stil zum ersten Mal richtig verlassen hast.
Ich habe im ganzen Wettbewerb schon viel ausprobiert, was ich privat nicht gemacht hätte. Aber es stimmt: Das war am weitesten weg. So etwas Dokumentarisches ganz ohne Leute habe ich noch gar nie vorher gemacht, glaube ich.

Hast du Lust, weiter in diese Richtung zu fotografieren?
Ich könnte nicht wechseln. Aber ab und so zu fotografieren, könnte ich mir sehr gut vorstellen. Ich wünschte echt, der Wettbewerb würde für immer weitergehen. Denn sonst würde ich nie auf die Idee kommen, loszuziehen und ein Thema wie “Zuhause” zu fotografieren. Das ist ein toller Ansporn. Auch gerade bei etwas, wo ich kein Selbstportrait machen kann oder will.

Beschreib mal deinen eigenen Stil.
Ich erzähle gerne Sachen, die nicht wirklich da sein können. Oder einen Mix aus dem, was da ist und dem, was in meinem Kopf passiert. Das liebe ich. Zum Beispiel die Bilder mit den verdrehten Körpern. So etwas würde ich gerne jeden Tag machen.

Du hast dir mit solchen Fotos eine riesige Fangemeinde aufgebaut. Wie hast du das hinbekommen?
Ich habe 2009 auf Flickr angefangen und habe das Glück, dass ich etwas mache, was vielen jungen Leuten und besonders Mädchen gefällt. So habe ich mittlerweile 16’000 Follower und davon sind viele auch mit zu Facebook rübergewandert. Aber eigentlich ist es auch nur eine Zahl, die einen nicht zwangsläufig weiterbringt.

Es ist ein riesiges Publikum.
Am Anfang nimmt man das noch total ernst und denkt sich: Wua, der hat geschrieben, der findet mein Foto total toll. Aber dann merkt man, dass es nicht viel bedeutet, wenn man auf Flickr 400 Likes von Leuten hat, die jedes dritte Bild liken. Viel mehr freue ich mich, wenn mir Freunde oder Fotografen, die ich toll finde, ein Kompliment machen. Und das passiert natürlich nicht bei jedem Bild.

Aber trotzdem motiviert es doch bestimmt, so viele Fans zu haben, oder?
Ja, auf jeden Fall. Und manchmal bringt es auch doch etwas: Leute wollen dadurch meine Fotos für Buchcover oder sie in Magazinen veröffentlichen. Es ist ein toller Weg, um denen eigenen Namen in die Welt zu bekommen.

Und sind die Leute auch kritisch mit dir?
Auf Flickr so gut wie gar nicht. Wenn ich wirklich Kritik will, gibt es zwei Facebook-Gruppen mit Fotografen, die ich mag. Und da sage ich dann: Schreibt bitte nichts Positives zu dem Bild, sondern einfach nur, was ich verbessern könnte.

Hast du dir beim Photo Battle auch Kritik geholt, bevor du die Bilder abgeschickt hast?
Ich habe immer meinen Papa gefragt. Der hat früher auch fotografiert. Er ist meinen Bilder auch oft kritisch gegenüber und sagt: Laura, du musst mal jemand anderen fotografieren. Oder: Nicht schon wieder ein Mädchen im Wald. Er ist da sehr ehrlich und das ist echt gut. Andere Fotografen habe ich nicht gefragt. Dafür meine kleine Schwester, die mit Fotografie gar nichts zu tun hat.

Hörst du so etwas wie von deinem Vater öfter: Kategorie schönes Mädchen macht Selbstportraits?
Ja, aber es ist weniger geworden. Wobei ich mich frage, wieso. Denn ich habe nie böse reagiert. Vielleicht weil ich es schon ein bisschen geändert habe. Aber dass ich Selbstportraits mache, wird nicht aufhören. Es macht mir Spaß, tut mir gut und ich lerne dabei immer noch was. Ich fotografiere schon mehr andere Leute als früher, aber es ist einfach nicht das Gleiche und es macht nicht gleich viel Spaß. Und es ist nicht gleich viel Therapie.

Das musst du jetzt erklären.
Ich finde, mit Fotografie kann man super viel verarbeiten. Wenn es mir sehr gut geht, fotografiere ich wenig. Wenn es mir schlecht geht, ziehe ich mit meiner Kamera los und danach geht´s mir besser. Weil ich dann mache, was mir gefällt. Weil ich eine Geschichte erzählen kann. Weil ich gerade bei Selbstportraits sehr echt sein kann. Ich könnte nie für jemand anderen so echt sein, wie ich nur für mich und meine Kamera bin. Mir tut das gut. Und ich kenne viele, die das auch von sich sagen.

Vor allem Frauen, oder auch Männer?
Überwiegend Mädchen und Frauen. Aber ich kenne auch Männer, zwei, drei. Und bei Flickr habe ich eh das Gefühl, da gibt es genauso viele Selbstportrait-Fotografen wie -fotografinnen. Etwa Alex Stoddard, von dem ich wahnsinnig begeistert bin. Von ihm gibt es ein paar Bilder, die ich anstarre und denke: Gut, dann hör ich jetzt auf, tschüss.

Echt?
Ja, aber das geht mir ungefähr zehnmal am Tag so, dass ich Bilder sehe und denke: Ah, da kann ich ja direkt die Kamera für immer weglegen. Und vor allem ist Alex Stoddard erst 19.

Aber genauso geht es wahrscheinlich vielen Leuten mit deinen Fotos.
Hm. Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

Du bist auch erst 23.
Ja, vielleicht gibt es ein paar.

Machen auch Leute diese Art von Fotos, die nicht klassisch schön sind?
Ich kenne einige, die sich auch sehr offen präsentieren. Und es ist ja auch sehr subjektiv. Aber es bekommt schon viel weniger Anerkennung.

Im Photo Battle hast du im Achtelfinale von Thilo das Thema “hässlich” bekommen. Das war wie zugeschnitten auf seinen Gegner, also auf dich
Ja, weil meine Fotos immer eher schön sind. Da dachte ich dann auch kurz, er hat mich kalt erwischt. Das hatte ich noch nie als Thema in Betracht gezogen. Aber es war dann spannend, dazu zu arbeiten und darüber nachzudenken, was hässlich ist.

Hast du während des Wettbewerbs mal ein Thema bewusst so gewählt, dass es dem Gegner nicht liegt?
Beim Thema “Märchen” war das ein wenig so. Da dachte ich, dass ich da vielleicht eher einen Draht zu habe als jemand, der wie Tim in Tokio Schwarz-Weiß-Bilder macht. Auch wenn es dann gar keine Schwarz-Weiß-Bilder waren. Insgesamt ist es sehr spannend, wenn zwei Leute am gleichen Thema arbeiten und dann gucken, was der andere für Ideen hat.

Wie hast du die Themen ausgewählt: Hast dir zuerst ein Thema überlegt und dann geschaut, wie du es umsetzt? Oder hattest du etwas, das du eh gerne fotografieren wolltest, und hast dann geschaut, wie du es in ein Thema verpackst?
Ich habe mir immer erst das Thema überlegt und gedacht, ich find schon was, was ich mache.

Gab es jemanden im Wettbewerb, dessen Bilder dir besonders gefallen haben?
Thilo auf jeden Fall. Seine Bilder waren sehr, sehr gut. Dem hätte ich absolut gegönnt, wenn er gewonnen hätte. Und Christof hat Sachen gemacht, die nah dran waren, an dem, was ich mache. Da hatte ich einen Draht zu. Fabian macht auch super Bilder. Da habe ich direkt gesagt: Der im Finale, das ist ein richtig starker Gegner. Man merkt schon, dass er das nicht nur einmal in der Woche macht, und seine Bilder sind echt beeindruckend.

Zurück zu dir: Du studierst Architektur. Weißt du schon, wo es beruflich hingehen soll?
Ich bin mittlerweile ziemlich sicher, dass ich nicht Architektin werden will. Weil ich einige Architekten kenne und das nicht nach einem Leben aussieht, das ich führen möchte: nur Arbeit und keine Zeit für ein Hobby. Denn ich weiss, dass ich die Fotografie immer irgendwie dabei haben will. Aber nur Fotografie traue ich mir im Moment noch nicht zu. Ich lass es wohl auf mich zukommen.

Wie sieht es mit Architekturfotografie aus?
Das stelle ich mir total genial vor. Aber ich glaube, da sollte ich langsam mal anfangen zu testen, ob was in mir drin ist, das das kann. Auf jeden Fall wäre es ein echt später Einstieg.

Du bist 23.
Ich fühle mich schon so alt.

Warum das?
Wenn ich mich zum Beispiel mit Fotografen von Flickr treffe, bin ich eine der ältesten. Und da denke ich dann: Oh Mist, warum habe ich nicht mit 12 Jahren angefangen?

Du bist auch bei einem Bildbearbeitungsservice dabei, dem Photodil. Erzähl mal davon.
Das ist eine Geschäftsidee von meinem Freund und einem Kumpel. Die Jungs programmieren alles und ich bearbeite die Bilder. Die Kunden sagen, was sie wollen, und müssen bei uns nur zahlen, wenn sie zufrieden sind. Sie können sogar noch einmal kostenlos Nachbesserungen anfordern und es erst dann nehmen.

Wie läuft es?
Es könnten mehr Aufträge kommen, aber es läuft so nebenher. Wir haben schon ein paar Leute, die regelmäßig Bilder hochladen. Aber viele kaufen natürlich auch nichts.

Was bekommt ihr da für Fotos?
Manchmal kommen Handyfotos rein und die Leute erwarten ein Wunderwerk. Manchmal schicken Fotografen aber auch richtig gute Bilder und dann macht es Riesenspaß. Von jemand anderem ein Bild zu haben, das man bearbeiten kann, ist echt toll.

Ist das nicht wahnsinnig viel Arbeit, neben den eigenen Bildern auch noch die von anderen Leuten zu bearbeiten?
Ich bin ein Nachtmensch. Ich setze mich abends an den Laptop und schaue, was reingekommen ist. Das Bearbeiten macht mir dann Riesenspaß. Vielleicht könnte ich mir das sogar mal irgendwann als Job vorstellen.

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Hier gibt es Infos zu den Preisen des Photo Battles – und das sind die großzügigen Preissponsoren:

8.8.2013 · Photo Battle · ·

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