Top Ten unter 30: Ein Jahr später – Teil III

Top Ten unter 30 Anfang 2011 haben wir die Top Ten unter 30 gekürt, die zehn besten Jungfotografen Deutschlands. Ein Jahr später erzählen die Sieger, was sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt und erreicht haben. Dazu zeigt jeder drei Fotos, die ihm in diesem Jahr wichtig waren. Teil III: Julius Schrank und Florian Manz.

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Als wir Julius Schrank gebeten haben, uns von seinem Jahr zu berichten, schrieb er nach ein paar Tagen: „Sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ich bin mit meinem Land Rover und meiner Kamera in Südostasien unterwegs. Die letzten zwei Wochen war ich im Dschungel von Nord-Laos. Da ist Internet ein Fremdwort …“

Bis Ende Februar hat Julius dort zusammen mit seinen Kollegen Florian Manz und Lucas Wahl vom Kollektiv 25 an einem Dokumentarfilm gearbeitet – mehr Informationen dazu findet ihr auf seiner Website.

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr freut sich Julius über einen “absoluten Sechser im Lotto”: ein Praktikum bei der niederländischen Zeitung “De Volkskrant”. “Bereits Ende 2010 hatte ich das Praktikum begonnen, vorgesehen war ein halbes Jahr”, erzählt er. Im Endeffekt ist er länger als ein Jahr geblieben und wird wohl auch in Zukunft in Amsterdam wohnen und als fester Freier für die Zeitung arbeiten.

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

„In meinem Jahr bei “De Volkskrant” habe ich extrem viel gelernt. Nicht nur weil die Zeitung ein sehr hohes fotografisches Niveau hat, sondern auch weil mir Reportagen und Jobs auf der ganzen Welt ermöglicht wurden“, sagt Julius. „Neben halb Europa war ich in Ländern wie Russland, Australien, Kanada und den USA unterwegs. Ich hatte zum Teil sogar die freie Wahl, was für Reportagen ich fotografieren wollte.“ Außerdem hat er angefangen, für die Benelux-Ausgabe der “National Geographic” Portraits zu machen.

„Häufig habe ich probiert, die Arbeit für die Zeitung mit meinen persönlichen Interessen zu verbinden“, erzählt Julius. „So habe ich beispielsweise in Kanada eine Reportage über einen der letzten Leuchtturmwächter gemacht. Dieses Projekt habe ich schon vor drei Jahren begonnen, konnte es aber erst jetzt mit Hilfe der Zeitung fortführen.“ Das finale Produkt soll ein kleiner Doku-Film werden.

Die drei hier zu sehenden Bilder stammen aus einer Reportage über eine Mädchen-Kadettenschule in Moskau und wurden in “De Volkskrant” veröffentlicht.

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

© Julius Schrank | Cadet School Moscow

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“Ich habe im letzten Jahr nicht so viel gemacht“, sagt Florian Manz. Doch wenn er dann erzählt, kommt doch einiges zusammen:

“Ich habe sechs Monate bei der FAZ hospitiert und zwei kleine Geschichten in Lettland gemacht, zusammen mit der Schreiberin Caterina Lobenstein. Eine über eine kleine russische Musikschule in Karosta, dem ehemalig größten Kriegshafen der Sowjetunion, und eine über die heftigen finanziellen Kürzungen an den lettischen Universitäten“, sagt Florian.

Mit dem Schreiber Maik Baumgärtner arbeitet er gerade an einer Reportage über Roma in Europa, aus der auch die Bilder hier stammen. Bis Ende Februar war Florian mit seinen Kollektiv-25-Leuten außerdem in Laos unterwegs. “Und zwischen den Projekten muss man Geld zum Leben reinfotografieren“, sagt Florian.

Seine drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr: “Langzeit-Themen sind cool. Kontakte zu Schreibern sind extrem wichtig. Irgendwann verkauft sich fast jede Geschichte, die ohne Auftrag entstanden ist.”

© Florian Manz

© Florian Manz

Zu den hier zu sehenden Bildern erklärt Florian: “Im Norden Tschechiens kommt es seit Monaten zu pogromartigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, die sich aus Neonazis und normalen Bürgern zusammensetzen, und der Polizei. Die Proteste richten sich gegen die Roma-Minderheit, die unter katastrophalen Umständen in Nordböhmen lebt. Dabei werden die Roma für alle Probleme in der Region verantwortlich gemacht: Kriminalität, Gewalt, Prostitution und sinkende Immobilienpreise.

Verantwortlich für die sozialen Spannungen sind vor allem Immobilienmakler. Sie kaufen in den größeren, strukturstarken Städten günstig Immobilien, in denen Roma-Familien leben. Gleichzeitig erwerben sie günstige Häuser im ländlichen Raum. Mit kleinen Abfindungen locken sie die Roma aus den Städten aufs Land und verdienen gleich doppelt: Der Wert der Großstadt-Immobilien steigt mit dem Wegzug der Roma, gleichzeitig kassieren die Immobilienspekulanten über die Sozialbehörden Mieten für die Familien auf dem Land.

Die Kommunen sind froh, dass sie sich nicht um die Unterbringung kümmern müssen, während durch den massenhaften Zuzug Brennpunkte entstehen, denen die überschuldeten und überlasteten Behörden kaum begegnen können. Vor allem die Neonazi-Partei “Dĕlnická strana sociální spravedlnosti” (Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit, DSSS) profitiert von der Lage – die Zahl ihrer Mitglieder und Sympathisanten steigt. Und mit ihr steigt auch die Gefahr einer Eskalation: In der Vergangenheit kam es bereits zu Brandanschlägen und gewalttätigen Attacken auf von Roma bewohnte Häuser.“

© Florian Manz

© Florian Manz

© Florian Manz

© Florian Manz

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Von dem Letzten der Top Ten unter 30, Julian Röder, haben wir leider noch keine Anwort und Bilder erhalten. Wir bemühen uns, das an dieser Stelle so schnell wie möglich nachzuliefern.
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Ebenfalls anschauen: Top Ten unter 30: Ein Jahr später – Teil I mit Lene Münch, Daniel Hofer, Jenny Schäfer und Paul Hiller sowie Teil II mit Andy Spyra, Hannes Jung und Torben Weiß.

20.3.2012 · Bilder · · · · ·

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