“Tränen, wenn sie ihre Bilder in den Händen halten”

© Paul liebt Paula

© Paul liebt Paula

Als ich vor etwa sieben Jahren angefangen habe, Fotos ins Netz zu stellen und mir die Arbeiten von anderen anzuschauen, haben mich die Bilder von Susann Probst in der fotocommunity mit am meisten begeistert. Damals noch Schülerin, arbeitet sie seit 2010 zusammen mit ihrem Freund Yannic Schon als Hochzeitsfotografen-Paar Paul liebt Paula in Berlin.

Da Hochzeiten dem Klischee nach für die meisten Fotografen mehr Brotjob als Leidenschaft sind, war ich neugierig und habe Susann vor kurzem per Mail gefragt, wie es denn läuft in diesem Metier. Ihre Antwort fand ich so spannend, dass ich sie nicht für mich behalten will. Also lest selbst:

“Wir haben uns völlig auf die Hochzeitsfotografie spezialisiert und es läuft so erfolgreich, dass wir nur von den Hochzeitreportagen leben und nicht noch andere Jobs unter der Woche annehmen können. Für dieses Jahr sind wir bis auf wenige Termine komplett ausgebucht und dafür, dass wir erst seit einem Jahr in Berlin sind, haben wir uns hier schon sehr gut etabliert.

Es ist lustig, dass viele den Beruf des Hochzeitsfotografen immer noch mit den eingestaubten Portraits im Studio verbinden. Dem Klischee nach sehen Hochzeitsfotos aber auch anders aus, als unsere ;)

© Paul liebt Paula

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Ich habe ja vorher als Werbefotografin gearbeitet und wenn etwas nicht erfüllend war, dann: Arbeiten nach Layout. Man ist Dienstleister/Handwerker und führt nur aus, was der Kunde oder Grafiker wünscht, ohne wirklich selbst kreativ zu agieren. Zumindest hatte ich am Ende genau das Gefühl. Man darf sich gern selbst einbringen, letzten Endes soll es dann aber bloß nicht zu viel sein, weil man sich ja noch ans Layout halten muss. Jetzt arbeiten wir völlig frei.

Ich habe total freie Hand über das, was bei einer Reportage an Bildern entsteht. Unsere Brautpaare schätzen gerade unsere subjektive Wahrnehmung des Festes und die Fotos, die dabei herauskommen. Mir als Fotografin hilft das sogar sehr in meiner persönlichen Fotografie. Ich traue mich Dinge, die ich mich auf der Straße bei fremden Menschen nicht trauen würde, da ich ja vom Paar engagiert bin. Und das macht einen riesigen Spaß.

Wir arbeiten sehr viel für uns, machen das ein oder andere Bild, das sicher nicht jedem Brautpaar etwas bedeutet, welches für uns aber das Arbeiten ausmacht. Zwei Bilder, die ich persönlich sehr liebe, sind zum Beispiel diese beiden hier:

© Paul liebt Paula

© Paul liebt Paula

© Paul liebt Paula

© Paul liebt Paula

Ein weiterer Vergleich zur Werbung: Das Arbeiten mit den Agenturen hat mich oft wahnsinnig gemacht. Ich verallgemeinere jetzt, aber oft genug war es so. Man wird, vielleicht auch, weil ich damals noch Auszubildende war, nicht ernst genommen. Um nur ein Beispiel zu nennen, für viele Sachen die mich sauer gemacht haben: Das Telefon klingelt, ich wünsche einen Guten Morgen und melde mich mit dem Firmennamen – von der anderen Leitung höre ich lediglich ein: ‘Den Bernd!’ Da frage ich mich, was so etwas soll? Für was ich gehalten werde …

Sicherlich ein Einzelbeispiel, aber es waren ständig solche Kleinigkeiten, die mir das Gefühl gaben nur ein einfacher Dienstleister zu sein. Du kannst dir noch so viel Mühe bei einem Foto oder ganzen Job gegeben haben, selten überhaupt gibt es dafür ein Feedback und wenn, fällt es, trotz super Fotos, sehr nüchtern aus. Der Kunde hatte ja genau das von dir erwartet.

Und heute: Bräute, die teilweise Freudentränen in den Augen haben, wenn sie ihre Bilder in den Händen halten. Ich glaube mehr muss man gar nicht sagen. Es wird einfach geschätzt, was man da tut und man wird genau wegen seiner Arbeitsweise und wegen seinem Stil gebucht und nicht, weil man in der Stadt der günstigste ist oder weil man ja schon immer zusammenarbeitet.

So, ich muss jetzt mal weiter arbeiten.”

1.8.2011 · Bilder · · · · ·

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