Tomas van Houtryve: “Emphas.is ist ein Zeichen der Hoffnung”

© Tomas van Houtryve

© Tomas van Houtryve

Tomas van Houtryve, Fotograf aus dem VII-Netzwerk, arbeitet seit 2004 an einem Langzeitprojekt über die kommunistischen Staaten der Welt. Viele seiner Reisen wurden von renommierten Magazinen wie Time, New York Times und Newsweek finanziert. Um nach einem ersten kurzen Besuch nach Laos zurückkehren zu können, entschied er sich für eine Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform Emphas.is. Für sein Projekt „21st Century Communism – Laos“ benötigte er 8800 Dollar – und nahm sogar 10.105 Dollar ein.

Du warst der Erste, der ein Projekt bei Emphas.is finanziert hat. Was bedeutet dir das?

Tomas van Houtryve: Es ist ein Sonnenstrahl, ein Zeichen der Hoffnung. In den letzten Jahren gab es viele schlechte Nachrichten im Fotojournalismus. Agenturen und Magazine wurden geschlossen. Daher ist es ein beruhigendes Gefühl, zu sehen, wie eine neue Plattform erfolgreich auftaucht.

Die Leute, die dein Projekt über den Kommunismus in Laos unterstützt haben, können auf deiner Homepage jetzt auch an der Bildauswahl teilhaben. Sie sind sie gute Bildredakteure?

Tomas van Houtryve: Es ist ein Experiment. Man kann sehen, dass die Leute verschiedene Hintergründe haben. Jemand der zum Beispiel einen Kunst-Hintergrund hat, mag vielleicht mehrdeutige Fotos. Jemand mit einem journalistischen Hintergrund mag eher etwas Eindeutiges und Informatives. Aber bisher gibt es sowohl Fotos, die fast jeder gut findet, als auch Bilder, die fast jeder aussortieren würde. Die gute Nachricht ist: Ich weiß jetzt, welches die guten Fotos sind. Und ich versuche, meine Geschichte vor allem aus diesen zu bauen.

Hat dich etwas überrascht? Ein Bild, das du mochtest, aber die Leute nicht? Oder umgekehrt?

Tomas van Houtryve: Beides. Bei einem Bild war die Situation, in der ich es gemacht habe, sehr emotional und voller Spannung. Wenn ich das Foto angeschaut habe, habe ich es mit all diesen Emotionen und all der Spannung in Verbindung gebracht. Aber jemand, der nicht dabei war, guckt sich das Bild an und sagt: Sorry, aber mich erreicht das Bild nicht.

Also wird es nicht Teil deiner Bildauswahl sein?

Tomas van Houtryve: Ich werde es vielleicht nicht so prominent plazieren, nicht als erstes oder letztes Foto der Serie. Doch es gab auch Bilder, von denen ich nicht so begeistert war, die aber viele, viele Leute lieben. Sie können Kommentare unter die Fotos schreiben und sagen, warum sie ein Bild mögen. Und wenn ich denke, “das ist nachvollziehbar für das, was ich mit der Geschichte machen will”, dann baue ich es ein.

Karim Ben Khelifa

© Flare Tomas van Houtryve (l.) und Karim Ben Khelifa in Zürich

Was wird dein nächstes Projekt bei Emphas.is sein?

Tomas van Houtryve: Ich habe viel aus diesem ersten Mal gelernt. Das werde ich nutzen, um mir ein zweites Projekt zu überlegen. Ich weiß jetzt mehr über die Leute, die mich unterstützen, darüber, was für Menschen meine Fotografie mögen. Vorher habe ich meine Bilder einfach an ein Magazin verkauft und wusste nicht, wer es kauft, und konnte nicht mir diesen Leuten reden. Jetzt kenne ich ein Profil: Ah, da sind Leute aus diesem Land, die so und so alt sind, sich für dieses und jenes interessieren, und so weiter.

Was wirst du anders machen?

Tomas van Houtryve: Ich werde womöglich über eine Zusammenarbeit nachdenken. Also darüber, einen anderen Partner einzubinden, einen Schreiber, Künstler oder Filmer. Dann kann ich auch das Publikum und die Fans dieses Partners in das Projekt einbringen. Ich denke, das ist ein effektiver Weg, eine noch breitere Öffentlichkeit zu erreichen.


Lest hier auch unser Interview mit Emphas.is-Gründer Karim Ben Khalifa , der sagt, warum ihr dort Projekte unterstützen solltet.

7.6.2011 · Bilder · · · ·

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