Top Ten unter 30: Julian Röder

Die Regierungschefs igeln sich ein, vor den Sicherheitszonen bekommen es Demonstranten mit der Polizei zu tun: Julian Röder fotografiert seit 2001 die Proteste am Rande von Staatsgipfeln. Sein Langzeitprojekt trägt den Titel “The Summits”. Im Interview erzählt er von seiner Katze und unabdingbarer Expansion.

Julian wurde 1981 geboren. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen bei der Agentur Ostkreuz studierte er Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Sein Diplom legte er 2009 in Hamburg an der HAW ab. Seit 2004 ist er Mitglied der Agentur Ostkreuz. Er wurde mit dem Kodak-Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet, für den Körber-Foto-Award nominiert, war Finalist beim Aperture Portfolio Award und erhielt eine ehrenvolle Erwähnung beim Magnum Expression Award.

© Julian Röder: The Summits. Proteste gegen den G8-Gipfel in Hokkaido

© Julian Röder: The Summits. Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm

© Julian Röder: The Summits. Proteste gegen den G8-Gipfel in Hokkaido

Gibt es ein Ziel, das du als Fotograf erreichen möchtest?

Julian: Ich möchte etwas schaffen, das Bestand hat und bleibt.

Was ist das erste selbst geschossene Foto, das dir etwas bedeutet hat?

Julian: Da war meine Katze drauf.

Mit was für einer Kamera hast du angefangen?

Julian: Irgend so ein Russensucherteil. Weiß nicht mehr, wie das hieß. Weiß aber noch, dass da für Blende und Entfernung so schöne Piktogramme drauf waren, die ich als Kind sehr faszinierend fand.

Womit fotografierst du heute?

Julian: Mit digitalen Kleinbild- und analogen Mittelformatkameras.

Was ist dir wichtig, wenn du fotografierst?

Julian: Es geht nicht zuletzt auch darum, Glück zu haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Natürlich muss man auch aufmerksam sein. Aber stieren bringt mir meist nichts. Eher sich treiben zu lassen und dabei die Bilder zu erleben. Die Geduld zu haben, ein Bild zu erwarten, aber auch nicht hängen zu bleiben.

© Julian Röder: Lagos Transformation

© Julian Röder: Lagos Transformation

© Julian Röder: Lagos Transformation

© Julian Röder: Lagos Transformation

Gibt es Fotografen, die du bewunderst?

Julian: Es gibt so viele gute Kollegen. Ich bewundere keinen von ihnen, aber ich schätze ihre Arbeiten. Weil es so viele gute Fotografen gibt, möchte ich hier auch keine einzelnen als Name-Dropping aufzählen.

Na gut. Zwei: Den Aristokraten und späteren Messie Walker Evans. Wahrscheinlich ist er doch jemand, den ich bewundere. Immerhin hat er das Fundament errichtet für die Art von Fotografie, die mich interessiert.

Und noch den zuerst bei einem Öl-Konzern Angestellten Chauncy Hare, der überhaupt keinen Bock auf den elitären Kunstmarktscheiß hatte und deswegen nach seiner sehr steilen aber sehr kurzen Fotografenkarriere Therapeut für Menschen mit Burnout-Syndrom geworden ist. Er ist daher ziemlich unbekannt. Seine Arbeit ist aber super.

© Julian Röder: Human Resources

© Julian Röder: Human Resources

© Julian Röder: Human Resources

Wo musst du dich noch dringend verbesssern?

Julian: Muss endlich eine Publikation rausbringen.

Was regt dich auf?

Julian: Dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem auf unabdingbarer Expansion beruht. Es geht nicht ohne. Der Nutzen dessen, was produziert wird, ist sekundär. Hauptsache es wird produziert und verkauft und mehr produziert und mehr verkauft und so weiter und so weiter ….

© Julian Röder: Available for Sale

© Julian Röder: Available for Sale

© Julian Röder: Available for Sale

© Julian Röder: Available for Sale

Bilder von Julian sind derzeit im Nederlands Fotomuseum und im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen. Mehr gibt es auf seiner Website:

julianroeder.com/work

23.2.2011 · Bilder · ·

Kommentare

Leave a Reply