Myanmar-Foto gewinnt Pulitzer-Preis

hallo

© Adrees Latif/Reuters

Ein Journalist liegt wehrlos am Boden, über ihm ein Soldat mit Gewehr im Anschlag – ein Foto dieser womöglichen Hinrichtung in Myanmar ist nun mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Weitere Ehrungen vergab die Jury für Enthüllungen aus einem US-Militärkrankenhaus sowie für eine bewegende Fotochronik in einer US-Lokalzeitung.

Soldaten prügeln auf Mönche ein, jagen Menschen durch die Straßen – solche Bilder kennt man zurzeit aus Tibet, vor einem halben Jahr kamen sie aus Myanmar. Nun ist das vielleicht dramatischste Foto der Proteste in Myanmar mit einem Pulitzer-Preis in der Kategorie „Breaking News Photography“ ausgezeichnet worden. Das Bild des Reuters-Fotografen Adrees Latif zeigt, wie sein japanischer Fotografen-Kollege Kenji Nagai auf der Straße liegt, darüber ein Soldat mit Gewehr im Anschlag. Nagai stirbt wenig später durch eine Schusswunde. Zuerst ist von einem Querschläger die Rede, später berichtet ein japanischer Fernsehsender mit Videomaterial, Nagai sei von dem Soldaten regelrecht hingerichtet worden.

Mit dem Preis in der Kategorie „Feature Photography“ ehrte die Pulitzer-Jury die Fotografin Preston Gannaway für ihre intime Fotogeschichte über den Kampf und Tod einer krebskranken Mutter und das Schicksal ihrer Familie. Die Fotos waren in der US-Lokal-Zeitung „Concord Monitor“ aus dem 40.000-Einwohner-Ort Concord im Bundesstaat New Hampshire erschienen.

Den Pulitzer-Hauptpreis gewannen die Journalistinnen Dana Priest und Anne Hull zusammen mit dem Fotografen Michel du Cille. Sie hatten für die Zeitung „Washington Post“ die schlechte Behandlung von verletzten Kriegsveteranen im Washingtoner Militärkrankenhaus Walter Reed aufgedeckt. Mit insgesamt sechs Auszeichnungen ist die „Washington Post“ der große Gewinner in diesem Jahr.

Die Pulitzer-Preise sind eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Journalisten und Literaten in den USA und werden bereits seit 1917 verliehen – heute in mehr als 20 Kategorien.

Die bewegende Geschichte aus dem „Concord Monitor“ ist in einer Multimedia-Slideshow zu sehen, sowie komplett in Form von pdf-Dateien – hier eine Übersicht.

Berichte und Bilder zu den skandalösen Zuständen im Militärkrankenhaus Walter Reed zeigt die „Washington Post“ unter anderem in mehreren Multimedia-Slideshows.

8.4.2008 · Texte · · · · · · · · ·

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3 Responses to “Myanmar-Foto gewinnt Pulitzer-Preis”

  1. Timo says:

    Süddeutsche.de, spiegel.de, nytimes.com, wer ist das schon?! Gebt mal Pulitzer Myanmar bei Google ein … Ein wenig stolz bin ich ja schon : )

  2. Timo says:

    Mh, jetzt nicht mehr – schade : (

    Naja, den Screenshot hab ich.

  3. Christian Fürst says:

    Pulitzer-Preise gibt es leider nur in den USA. Und leider kein wirkliches Gegengewicht dazu in Europa. Inhaltlich sind die Preise ebenso angreifbar, wie etwas das World-Press-Photo, das von einer recht einseitigen Jury ausgewählt wird (man denke nur an die gefälschten Stories, die ausgezeichnet wurden). Doch demonstrieren fast alle Bilder fast immer den Mut der Professionellen Fotografen, die eben ständig auch ihr Leben risikieren, um die Momente einzufangen, die beim Video so flüchtig sind. In diesem Zusammenhang gehört meine ganze Bewunderung dieses Fotoreportern und das Bild hat den Preis meiner Ansicht nach zu Recht gewonnen