4. Triennale der Photographie in Hamburg
Viel Programm für ein zehntägiges Festival: Die 4. Triennale der Photographie Hamburg zeigt mehr als 80 Ausstellungen – Flare hat fünf davon ausgewählt und besucht. Zu sehen sind die innige Freundschaft zwischen einem Mann und einem Elefanten, fast vierzig Jahre Straßenfotografie aus London und ein Bild wie eine düstere Prophezeiung.
Seit Freitag läuft in Hamburg die Triennale der Photographie mit einem Programm, das für ein Jahr ausreichen würde: 140 Fotografen präsentieren ihre Werke in 86 Ausstellungen, und das bei einer Festivaldauer von nur zehn Tagen. Zwar sind viele der Bilder über das Ende der Triennale hinaus zu sehen. Dennoch fällt es schwer, sich in dem riesigen Angebot zurechtzufinden. Flare schafft Abhilfe und gibt einen Ausblick auf fünf ausgewählte Ausstellungen:
Nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt präsentiert die Flo Peters Galerie gleich zwei Ausstellungen. In „Homage to creation – earth and ocean“ zeigt Nomi Baumgartl Beziehungen zwischen Tier, Mensch und Natur. Da sind zum Beispiel der „Elefantenmann“ Chris Gallucci und der Elefantenbulle Timbo, die drei Jahrzehnte zusammenlebten, und deren innige Freundschaft Baumgartl in ihren Fotografien spürbar macht. Beeindruckend sind auch die Detailaufnahmen, auf denen runzelige Elefantenhaut neben trockener, aufgesplitterter Erde arrangiert ist und kaum davon zu unterscheiden. Diese Beziehungen, Begegnungen und Gegenüberstellungen machen die Ausstellung eindrucksvoll. Da macht es auch nichts, dass manche Bilder, auf denen nur die Dickhäuter zu sehen sind, wirken, als hätte man sie schon in dem einen oder anderen Tierfilm gesehen.
In der zweiten Bilderschau, „Amalias Street 5“, porträtiert die Lettin Inta Ruka Menschen aus einem Straßenzug der lettischen Hauptstadt Riga. Abseits der touristischen Altstadt und ihrer restaurierten Sehenswürdigkeiten dokumentiert die Fotografin mit ihrer Rolleiflex (Baujahr 1936) das Leben in dem ehemaligen Ostblockstaat und heutigen EU-Mitglied. Leider enden beide Ausstellungen in der Flo Peters Galerie schon am 22. April.
„Das Fotografieren war meine Rettung“
Ganz in der Nähe, in der Robert Morat Galerie, stellt die renommierte holländische Künstlerin Bertien van Manen zwei Fotoserien aus: „East Wind, West Wind“ dokumentiert den Alltag von Menschen in China zwischen Tradition und Modernität. „Durch Einflüsse der westlichen Welt ändern sich die großen Städte wie Peking, Shanghai oder Shenzhen rapide“, schreibt van Manen. „Dagegen leben die Menschen in den kleinen Dörfern der westlichen Inlandprovinzen wie ihre Vorfahren.“ Dabei haben die Bilder nicht den Anspruch, ein allgemeingültiges Bild von China zu liefern, sondern sind Ausschnitte aus der Lebenswelt einzelner Menschen. Für die zweite Serie, „Give me your Image“, besuchte van Manen Familien in ganz Europa und schaffte ungewöhnliche Einblicke in deren Leben, indem sie Fotos von Fotos machte: So fotografierte sie etwa Bilder in Foto-Alben, Fotos, die an der Wand hängen oder auf Nachttischen stehen. Von Manens Arbeiten sind noch bis zum 18. Mai zu sehen.
Klassische schwarz-weiße Straßenfotografie zeigt Visum-Mitbegründer Rudi Meisel mit „Unterwegs in London. Straßenfotografien 1967 – 2006“ in der Freelens Galerie. Meisel hält Momente im Stadtleben fest, bannt Augenblicke auf Film, ist Passant und Flaneur. Begonnen hat er die Serie als 18-Jähriger. „Ich sah so viele fremdartige Menschen in diesem London und hatte so vieles Faszinierendes, Neues zu entdecken, dass mir meine Augen überliefen und ich kaum wusste, wie ich von all dem später erzählen sollte“, sagt Meisel rückblickend. „Dass ich zu dieser Zeit das Fotografieren für mich entdeckte, war meine Rettung.“ Auch wenn viele aktuelle Fotos vertreten sind, umfasst die Ausstellung einen großen Zeitraum, ohne dadurch ihren einheitlichen Charakter zu verlieren. Freunde klassischer Streetfotografie sollten sich die Bilder ansehen, wer Extravagantes mag, könnte sich hier dagegen schnell langweilen. Die Freelens Galerie zeigt Meisels Arbeiten bis zum 30. Mai.
Ein Foto wie eine unheimliche Prophezeiung
Ein etwas beengter Ausstellungsraum ist der Flur der Fotoagentur Bilderberg im Stadtteil St. Pauli – es fehlt hier die Möglichkeit, einen Schritt von den Bildern zurückzutreten. Nichtsdestotrotz finden sich in der Best-of-Ausstellung „25 Jahre Bilderberg“ beeindruckende Fotos. Darunter eines, das sich besonders einprägt: ein Schwarz-Weiß-Bild des serbischen Politikers Zoran Djindjic auf einem Rednerpult. Am Fuße des Pultes ist der Schatten eines Fotografen zu sehen, das Objektiv seiner Kamera erinnert im Schattenriss an eine Waffe, der Fotograf wie ein Attentäter. Ein Bild wie eine unheimliche Prophezeiung: Knapp vier Monate nach Aufnahme des Fotos wurde Djindjic von Scharfschützen umgebracht. Die Bilder sind noch bis zum 4. Mai zu sehen.
Zur Triennale gehören neben Ausstellungen auch Veranstaltungen: In der Reihe „Blitzlicht“ stellen bis zum 19. April 2008 täglich bekannte Sammler, Kuratoren und Bildredakteure Arbeiten von vor allem junger und unbekannter Fotografen aus aller Welt vor. Weiterhin finden „Gespräche am runden Tisch“ statt sowie Portfoliosichtungen – für letztere ist die Anmeldefrist jedoch bereits verstrichen.
Das gesamte Programm der 4. Triennale der Photographie Hamburg findet sich hier.
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